Thomas Hering

Kommentar von Claudia Fischer, Berlin zu den Werken von Thomas Hering, geschrieben zu Lebzeiten von Thomas Hering.

thomas hering ist im traditionellen sinn ein künstler des bildes, ein zeichner als maler. er bewegt sich als grenzgänger auf dem schmalen grat zwischen gegenständlichkeit und abstraktion.

die vorliegenden neuen bilder eines sich ständig weiterentwickelnden gesamtzyklus beinhalten figuren ohne die ablagerung von geschichte und geschichten und ohne die versöhnlichkeit des direkt erkennbaren, aber mit dem kleinen pathos des möglichen. den schemenhaften gestalten verweigert thomas hering die konkrete form des situativ einzelnen, die er aber gleichzeitig erinnert und vehement andeutet. es ist ein heiterer balanceakt vor dem leeren bildhintergrund, der in die zwischenwelt der urbilder transformiert wird. die figuren treten einzeln, als paar, als gruppe oder als horde auf. sie fallen und schweben, engen sich ein und befreien sich, sie tanzen.

in diesem zyklus wird eine gleichartige motivpräsenz, malweise und dichte durchgehalten. das figur-grund-prinzip erlaubt ihm als zeichner zu malen, zwingt ihn aber als maler zu höchster konzentration, da er korrekturen des gesetzten pinselstrichs nicht zulässt, um den intuitiven und spontanen prozess des malens nicht zu stören. der hohe stellenwert den der künstler diesen gestaltungsgesetzen zumisst, wird auch in der strikten und programmatischen ästhetik der reduktion deutlich.

an den arbeiten aus anderen zyklen, wie z.b. den aktstudien, zeichnungen und skizzen, dem tanz der lieblinge, die in der regel parallel entstehen, lässt sich aus der motivverwandschaft erkennen, wie er herkunft, entstehung und form der einzelnen figuren immer wieder überprüft.

im spannungsfeld zwischen suchen und finden entsteht ein augenscheinlicher sehnsuchtsgehalt. es wirkt eine aufgestaute kraft, wo gestalt-suchen und gestalt-finden keinen weg und kein objekt mehr haben, und gestaltbildung in einer anderen wirklichkeit geschieht. verwandlung und ironie sind wie schlüssel und schloss zu den werken von tomas hering.

die sehnsucht tanzt in der maske des pathos. ein kleines pathos, gewiss. es ist der tanz der lieblinge …

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